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Kritik aus Berlin sollte Polen nicht vom Bau von Atomkraftwerken abhalten

Es ist wahrscheinlich, dass Polen und Deutschland mit so unterschiedlichen Sichtweisen von zwei direkten Nachbarn in dieser Frage aneinandergeraten. Doch Polen sollte völlig pragmatisch die eigene Entscheidung vertreten, sich Verbündete suchen und sich nicht vom Getöse aus Berlin beeindrucken lassen.

Schon seit über dreißig Jahren wird in Polen der Bau von Atomkraftwerken diskutiert. Tatsächlich ist der Bau teuer, aufwendig und langwierig. Lassen sich neue Kernkraftwerke einfach so aus dem Hut zaubern?

Deutschland könnte seine Kernkraftwerke ohne große Probleme noch 15 Jahre weiterbetreiben, wie ich mit Rainer Moormann fordere. Wir haben das Knowhow und die Anlagen. Ein Weiterbetrieb ist nicht umsonst zu haben, man müsste an manchen Stellen aufrüsten. Aber der einzige Bestandteil, den man nicht austauschen kann, ist der Reaktordruckbehälter. Diese Komponenten sind in allen sechs deutschen Atomkraftwerken in einem sehr guten Zustand.

Es ist viel schwieriger, in die Nutzung der Kernkraft einzusteigen. Es reicht nicht, ein Kernkraftwerk zu bauen, sondern man muss auch eine komplexe Infrastruktur aus Behörden und Regelwerken erschaffen und kerntechnischen Spezialistennachwuchs ausbilden. Das macht Polen im Rahmen seiner Kernforschung schon seit langem, aber nicht in dem Ausmaß, das man braucht, um eine Kernenergiewirtschaft zum Laufen zu bringen. Es geht nicht nur um Ingenieure für Bau und Betrieb der Anlagen, sondern auch um Strahlenschutzexperten, Verwaltungsleute und Juristen, die sich im Strahlenschutzrecht, Atomrecht und Europarecht auskennen.

Polen steht also vor einer großen Herausforderung, aber der Einstieg in die Atomkraft ist nicht unmöglich. Der Erfolg steht und fällt mit dem Willen einer Gesellschaft, sich auf eine solche Langfristentscheidung einzulassen. Eine Anlage würde 60-80 Jahre laufen. Der große Aufwand rechtfertigt nur den Bau von mehreren Anlagen. Ein nennenswerter Anteil der Stromerzeugung, mindestens 30%, müsste aus der Atomkraft kommen, sonst bringt der Einstieg keinen nennenswerten Dekarbonisierungseffekt. Mindestens sechs Kernkraftwerke, wie von der polnischen Regierung geplant, müssten es schon sein. Man muss mit 10 Jahren Bauzeit rechnen, außerdem mit 5 Jahren Planungszeit. In dieser Anschubphase wird viel Geld investiert, ohne Strom zu produzieren. So viel Durchhaltevermögen muss ein Land haben.

Die Kosten eines Einstiegs müssen nicht aus dem Ruder laufen. Wenn ich einen Rat geben darf: Erstens sollte man sich von vornherein auf einen Reaktortyp konzentrieren und in Serie bauen, sodass man bei jedem Neubau auf den vorherigen Erfahrungen aufbauen kann. Zweitens kann ein vereinheitlichtes standortunabhängiges Genehmigungsverfahren den Verwaltungsaufwand reduzieren, was Baukosten senkt, da Verzögerungen vermieden werden. Drittens sollte man einen Hersteller wählen, der ausreichend Routine im Bau von neuen Atomkraftwerken hat. Im Moment sind das leider weltweit nur drei: die Russen, die Südkoreaner und die Chinesen. Framatome aus Frankreich und Westinghouse aus den USA müssen erst wieder beweisen, dass sie in der Lage sind, Atomkraftwerke in Serie zu bauen, bislang waren ihre Projekte von Verzögerungen belastet. Die Franzosen wollen mit ihrem EPR2 nun beweisen, dass sie aus den Kinderkrankheiten des ehemals deutsch-französischen „europäischen Druckwasserreaktors“ gelernt haben.

Zwar wird derzeit vor allem in den USA viel geforscht im Bereich der Small-Modular-Reaktoren oder Flüssigsalzreaktoren. Aber ein Land, das neu in die Atomkraft einsteigen möchte, ist gut beraten, zuverlässige, bewährte, „langweilige“ Lösungen zu wählen. Und das sind Monoblock-Druckwasserreaktoren der dritten Generation Plus. Aber das müssen die Polen natürlich selbst entscheiden.

Die deutsche Bundesregierung und die EU-Kommission haben vor wenigen Monaten ambitionierte Wasserstoff-Strategien vorgelegt. Schon länger wird über die Nutzung von Elektroautos als dezentrale Stromspeicher gesprochen. Tesla will in den USA nicht nur als Autobauer, sondern auch als dezentraler Speichernetzbetreiber aktiv werden. Können nicht auch Wasserstoff oder dezentrale Strom- und Speichernetze als Backup für die Erneuerbaren Energien dienen?

Wasserstoff gilt als großer Hoffnungsträger, aber viele der Erwartungen sind unrealistisch. Die Technologie ist noch sehr teuer und ineffizient. Wenn mit Windstrom ein Elektrolyseur betrieben wird, der Wasserstoff produziert, und dieser dann in einer Biogasanlage methanisiert wird, um in einem Gaskraftwerk rückverstromt zu werden, bleibt von der ursprünglichen Energie nicht mehr viel übrig.

Auch die Hoffnung, dass man durch „smarte“ Vernetzung die Autobatterien der E-Mobile zu virtuellen Energiespeichern machen kann, ist viel voraussetzungsvoller, als die Befürworter glauben. Die Idee, Autobatterien zu Pufferspeichern für die Erneuerbaren zu machen, während die Besitzer im Büro sitzen, verkennt den Faktor Mensch. Der Mensch ist chaotisch und unvernünftig, das habe ich in der Kerntechnik gut kennengelernt. Menschen machen aus Bequemlichkeit und Egoismus nicht das, was sie tun sollen, obwohl sie wissen, dass es gut wäre.

Niemand kauft sich ein Auto, um der deutschen Energiewende zum Erfolg zu verhelfen, sondern um von A nach B zu kommen. Die meisten Fahrer wollen gar nicht, dass ihr Auto tagsüber ein virtuelles Kraftwerk ist. Wenn meine Mutter spontan anruft, damit ich auf Kaffee und Kuchen vorbeikomme, dann will ich, dass im Auto dafür noch genügend Strom ist, um den Weg zurückzulegen, auch wenn ich morgens eingegeben habe, dass ich heute nur Hin- und Rückweg zur Arbeit plane.

Dazu kommt noch der Faktor IT-Sicherheit, der bislang noch nicht ausreichend berücksichtigt wird. Diese digitale Steuerung von Millionen von Kleinerzeugern und -speichern muss abgesichert werden – doch das macht sie teuer. Wie überlebenswichtig Cybersecurity für Energienetze ist, haben wir in der Ukraine erlebt, wo die Netzleittechnik von Hackern angegriffen wurde.

Wir haben natürlich Studien, die uns sagen, 100% Erneuerbare seien in Deutschland oder auch weltweit bis 2050 erreichbar. Doch im Kleingedruckten von solchen Simulationen steht dann z.B. eine völlig übersteigerte Vorannahme der Steigerung des Photovoltaik-Ausbaus und seiner staatlichen Förderung, oder immense Mengen an Gaskraft zur Absicherung. Das heißt für Deutschland aber am Ende Gazprom.

Sie sind Osteuropa-Historikerin. Gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa in Hinblick auf die Kernenergie-Diskussion?

Im östlichen Europa wird viel pragmatischer gedacht. In einer Konferenz, an der ich zuletzt teilgenommen habe, stellte ein tschechischer Regierungsvertreter nüchtern fest, dass Tschechien keine Offshore-Windkraftanlagen bauen, und seine Klimaziele deshalb nur mit Kernkraftwerken erreichen kann. Dabei übersieht er nicht die Schwierigkeiten, wie z.B. die Endlagerung von Atommüll. Ich bin mit polnischen Klimaschützern in Kontakt, auch die sehen das alles ganz sachlich.

Auch in Deutschland gibt es einen Ost-West-Unterschied. Ich wohne im ostdeutschen Leipzig und arbeite aber im westdeutschen Marburg. In Ostdeutschland ist die Haltung zu Atomkraft nicht so emotional, die Anti-Atomkraft-Bewegung ist sehr westdeutsch geprägt. Aber im öffentlichen Diskus in Deutschland überwiegt die westdeutsche Perspektive.

Die deutschen Atomgegner haben einen Katechismus, der in jeder Diskussion gebetet wird: Tschernobyl, Fukushima, Atommüll, Atombombe. Dabei wären die Atomunfälle Tschernobyl und Fukushima in deutschen Atommeilern technisch unmöglich gewesen. Auch die Suche nach einem Endlager für Atommüll wird in Deutschland mystifiziert. Der Bau eines sicheren Endlagers ist teuer und langwierig, aber möglich. Für hochtoxischen chemischen Müll haben wir längst ein Endlager – auch dieser Müll muss auf ewig von der Biosphäre ferngehalten werden. Atommüll-Endlagerung ist wegen Wärmeentwicklung und Strahlungswirkungen zwar eine anspruchsvolle Aufgabe, aber eine lösbare. Und der Bau eines Atomkraftwerks ist ein denkbar teurer, umständlicher Weg, um an Material für eine Atombombe zu kommen. Reaktorplutonium ist für Staaten, die nukleare Präzisionsraketen bauen wollen, nicht das Mittel der Wahl, weil seine Isotopenzusammensetzung die Qualität der Explosion negativ beeinflusst. Es wird eingewendet, dass Terroristen auch mit Reaktorplutonium zufrieden sein könnten, aber auch dieses erhält man erst nach einem Verarbeitungsprozess. Die Idee, Terroristen könnten spaltbares Material aus einem KKW stehlen, ist angesichts der hohen Sicherheitsvorkehrungen absurd.

Die Energiewende-Diskussion in Deutschland wird in Polen genau verfolgt. Man hat die Sorge, dass Deutschland in der EU die Nutzung der Kernenergie bekämpft. Da Deutschland seine Wirtschaft auf Erneuerbare umstellt, befürchten viele einen Interessensgegensatz, wenn Polen Atomkraftwerke baut. Sind die Sorgen der Polen berechtigt?

Als Historikerin möchte ich hierzu auf die Basistexte der Energiewende verweisen, den Befund der Ethikkommission zum Atomausstieg und den Bericht der Kohleausstiegskommission. Sie sind der Schlüssel, um die Motivation hinter der deutschen Energiewende zu verstehen.

In diesen Dokumenten finden sich von Anfang an drei Motive. Das erste Motiv ist ein gewisser „Messianismus“: Deutschland soll vorangehen und zeigen, wie man einen Industriestaat nur aus Erneuerbaren Energieträgern versorgt. Diesmal soll Deutschland an der Spitze einer Bewegung stehen, die den Planeten retten soll, anstatt den halben Planeten mit seinen Armeen zu überrennen.

Im Zusammenhang damit steht das zweite Motiv, der „Ersatz-Patriotismus“. Es wird immer wieder vom „Gemeinschaftswerk“ Energiewende gesprochen. Dies ist auch der Grund, warum eine bestimmte Generation von Deutschen so von der Energiewende begeistert ist. Und drittens geht es um den „Standort Deutschland“, also die Hoffnung, dass Deutschland als Vorreiter im Bereich der Erneuerbaren Energien an seiner Technologieführerschaft verdienen wird.

Die Polen liegen also nicht ganz falsch, wenn sie vom reinen deutschen Altruismus nicht uneingeschränkt überzeugt sind.

Die Frage, wie sich die EU zur Kernenergie positionieren wird, hängt aber nicht nur an den Deutschen. Zuletzt haben deutsche Politiker viele Räder in Bewegung gesetzt, um die Kernenergie aus der Green Taxonomy der EU zu streichen. Von der Green Taxonomy der EU hängt ab, ob ein Projekt als nachhaltige Investition förderfähig ist. Aber es gibt viele EU-Länder, die die Atomkraft für ein probates Mittel halten, um den Klimawandel zu bekämpfen, wie Frankreich, die Niederlande, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Finnland oder Schweden. Es gibt also eine Stimme für die Atomkraft, die mit der wachsenden Bedrohung durch den Klimawandel immer lauter wird.

Es ist wahrscheinlich, dass Polen und Deutschland mit so unterschiedlichen Sichtweisen von zwei direkten Nachbarn in dieser Frage aneinandergeraten. Doch Polen sollte völlig pragmatisch die eigene Entscheidung vertreten, sich Verbündete suchen und sich nicht vom Getöse aus Berlin beeindrucken lassen. Auch Berlin erreicht nicht alles, was es gerne erreichen möchte. Zu meinen polnischen Freunden sage ich immer: wenn ihr das erste AKW in Betrieb nehmt, komme ich mit einem Blumenstrauß mit schwarz-rot-goldenem Band zur Eröffnung.

Teil 1

Der Text wurde im Rahmen eines von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit kofinanzierten Projekts unter der vom Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland geförderten Projektlinie “Deutsch-Polnische Bürgerenergie fürs Klima” veröffentlicht.

mieszka w Warszawie, gdzie pracuje jako doradca gospodarczy w Polsko-Niemieckiej Izbie Przemysłowo-Handlowej. Studiował politologię i stosunki międzynarodowe w Berlinie, Wrocławiu, Frankfurcie nad Odrą i Poznaniu. Jest współzałożycielem Sieci Wschodnioeuropejskiej Alumnów Fundacji Konrada Adenauera i działaczem inicjatywy na rzecz pomnika polskich ofiar II WŚ w Berlinie.
jest niemieckim historykiem technologii i Europy Wschodniej, działa na rzecz ochrony klimatu oraz dalszego wykorzystania energii jądrowej w Niemczech. W lipcu 2020 r. Anna Veronika Wendland opublikowała wraz z Rainerem Moormannem memorandum na temat wydłużenia okresu eksploatacji niemieckich elektrowni jądrowych.

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